Ökumenische Sozialstation Heidenheimer Land - Hospizarbeit in Partnerorganisationen der EU
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Ökumenische Sozialstation
Heidenheimer Land
07321 - 98660
Altenpflege     Krankenpflege     Haushalts- und Familienhilfe     Sturzprophylaxe     Demenzgruppe     Beratung     Servicepakete
 

Hospizarbeit in Partnerorganisationen der EU

   Standortbestimmung, gemeinsame Standards, Umsetzungsstrategien
   und lebenslanges Lernen

Partnerorganisationen sind:

  1. Die Schlesische Diakonie, tätig vorwiegend in der Mährisch-Schlesischen Region (Nordosten der Tschechischen Republik).
  2. CME – Zentrum der Mission und Evangelisation, der Evangelisch-lutherischen Kirche im Süden Polens.
  3. Ökumenische Sozialstation Heidenheimer Land, eine Einrichtung der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Heidenheim.

Wie kam es zum Projekt?
Seit dem Jahr 2007 besteht in Deutschland ein Anspruch auf die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung. Dieses setzt eine sehr gute vernetzte Struktur zwischen Medizin und Pflege, weiteren professionellen Diensten und ehrenamtlichen Diensten voraus. Das bestehende Netzwerk zwischen der Ambulanten Pflege und der Ehrenamtlichen Hospizarbeit im Landkreis Heidenheim wie auch im Landkreis Aalen soll verdichtet und unter interkulturellen und kultursensiblen Aspekten beachtet werden.
Durch das zusammenwachsende Europa wird der Aspekt der Kultursensiblen Pflege und Begleitung im Sterben ein immer bedeutenderes Thema. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und die Wahrnehmung und Bedeutung der Netzwerkarbeit sowohl im eigenen Land als auch in den Nachbarländern verbindet die beiden Bereiche. Für die Ökumenische Sozialstation sind dies wichtige Aufgabenfelder, um die Mitarbeitenden für ihre Aufgaben weiter zu qualifizieren und zu sensibilisieren.

Aus den Eindrücken eines Besuches in Tschechien entstand bei der selbständigen Supervisorin und Organisationsberaterin Christine Class die Idee, Interkulturelle Begegnung mit dem Ziel zu verbinden, internationale Standards für die ambulante Hospizarbeit zu entwickeln. Sie ist die Projektleiterin für das Projekt in Deutschland.

Für die Partner aus der Schlesischen Diakonie in der Tschechischen Republik, wie auch der Partner aus Polen ist der Austausch über den Aufbau von Ehrenamtsarbeit ein wichtiger Bereich. Frau Andyskova sagt: „ Das Thema Sterben und Sterbebegleitung, Hospizarbeit wurde in den postkommunistischen Staaten an den Rand der Gesellschaft geschoben. Unheilbar kranke Menschen starben und sterben immer noch in stationären Einrichtungen allein gelassen, ohne Zuneigung und Würde.“
Es gibt jedoch Eigeninitiativen mit Ehrenamtlichen – vorwiegend auf kirchlicher Seite, die sich dieser Thematik annehmen. Der Wunsch nach Koordination der Ehrenamtsarbeit, praktischem Erfahrungsaustausch mit Deutschen Organisationen um ein Ausbildungsangebot für ehrenamtliche Hospizmitarbeiter zu begründen führte zur Teilnahme des Projektes.

Wer unterstützt das Projekt?
Eine finanzielle Förderung erfolgt durch das Programm für Lebenslanges Lernen „GRUNDTVIG“, Lernpartnerschaften der Nationalen Agentur Bildung für Europa.
Die finanzielle Unterstützung ist für sogenannte Mobilitätstreffen vorgesehen, das heißt die Partner treffen sich jeweils in den Partnerländern zum gemeinsamen Austausch und Arbeit am Thema.
Das erste Mobilitätstreffen fand in der Zeit vom 30. November 2009 bis zum 5.Dezember 2009 in Deutschland statt. Die weiteren Treffen finden in Polen (1.-7. November 2010) und in Tschechien (März 2011) statt.

Weitere finanzielle Hilfe insbesondere für die Evaluation und Begleitung durch die erfahrene Supervisorin erfolgt von der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Württemberg e.V.

Im Rahmen des ersten Mobilitätstreffens in Deutschland wurde das Projekt bezuschusst vom Krankenpflegeverein Herbrechtingen, dem Ökumenischen Hospizdienst Aalen, der Kreisdiakonie, Privatspendern.
Ein großer Teil des gespendeten Geldes ist für die Unterbringung und Verpflegung der Besucher aus der Slowakei, sowie für Essen und Getränke bei der Abschlussveranstaltung.

Eine große Unterstützung erfuhr die Gruppe durch die Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz, durch umfangreiche und gezielte Informationen zum Aufbau von Ehrenamtlichen Hospizgruppen, stationären Hospizen wie auch durch die Organisation der Abschlussveranstaltung. Herr Bayer von der Landesarbeitsgemeinschaft betont: „Sterben ist keine Sache für Spezialisten“, sondern in den ambulanten Hospizdiensten oder in den stationären Hospizdiensten begleiten Ehrenamtliche überall da, wo es gewünscht wird.

Zielsetzung:
In der Begegnungswoche konnte den Partnern aus Osteuropa die Strukturen und der Aufbau von Ehrenamtlichen Hospizgruppen in den unterschiedlichen Einrichtungen in der Region Ostalb in Deutschland vermittelt und veranschaulicht werden bis zu europaweiten Organisationsformen, die bei der Abschlussveranstaltung aufgezeigt und erläutert wurden.

Was ist dabei herausgekommen?

  • Für die Sozialstation hat diese Vorbereitung auf das Treffen, wie auch die Beschäftigung mit dem bestehenden (oder zu wünschenden) Netzwerk zu einer Diskussion und zu einer Annäherung untereinander geführt und zur Erkenntnis, dass Wertschätzung und Sensibilisierung auf mehreren Ebenen notwendig sind, um dem großen Ziel, die Sterbenden mit würdevoller Begleitung und deren Angehörigen in den Mittelpunkt des Ganzen zu stellen, näher zu kommen.
  • Blick auf die Neuverortung der einzelnen Länder. Wie ist der Stand in den jeweiligen Ländern, Welche Strukturen beeinflussen die Sterbebegleitung in den unterschiedlichen Ländern? Deutlich stellte sich heraus, welche wichtige Rolle die Kirche in den Osteuropäischen Ländern innehat. Was tun Kirchen, dass ein würdevolles Sterben ermöglicht werden kann.
  • Sterben muss als inter- und intrakultureller Prozess begriffen werden. Es ist ein Prozess der Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und denen anderer Kulturen und Religionen. Menschen mit Migrationshintergrund haben mitunter andere Bedürfnisse als Deutschstämmige, da sie vielleicht andere Wünsche, Fragestellungen und Werte haben. Das Wichtigste ist es, die Würde beim Sterben zu beachten, und daher ist die Entwicklung für Sensibilität der Begleitenden und die Auseinandersetzung auch mit dem eigenen Sterben elementar. Bedeutend ist ebenfalls das Wissen über unterschiedliche Kulturen und Religionen.
  • Im Ergebnis ist geplant, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu intensivieren und in regelmäßigen Abständen sog. „Fallbesprechungen“ durchzuführen. Hierbei soll dann das Zusammenspiel und Verhalten der verschiedenen Professionen reflektiert werden um sensibler zu werden und sich gegenseitig ein Feedback zu geben, wie auch die Qualität der Arbeit zu verbessern. Einführung von Ethik-Qualitätszirkeln mit regelmäßigem interdisziplinärem Austausch.
  • Eine weitere wichtige Erfahrung bezieht sich auf eine beginnende interkulturelle Sensibilisierung, die sich beispielsweise darin äußert, dass - obwohl die gleichen Termini benutzt werden - es notwendig ist, nachzufragen! Habe ich das richtig verstanden?
  • In Bezug auf Demenzielle Erkrankungen wurde in den verschiedenen Einrichtungen darauf hingewiesen, dass ein Verständnis für Demenz vorhanden sein muss, ein Wissen über die Krankheit, um Äußerungen im Sterbeprozess möglichst würdevoll begegnen zu können. „Der schwierigste Moment im Umgang mit sterbenden Demenzkranken ist kurz vor Eintritt des Todes“, sagt eine Ehrenamtlich Tätige Hospizbegleiterin aus dem Albstift Aalen.
    Bei der verbalen und nonverbalen Kommunikation mit dementen Sterbenden steht ihre erlebte Wahrnehmungswelt im Vordergrund. Durch Kontakte, die positive Gefühle hervorrufen, können sie sich verstanden, angenommen fühlen. Die Nonverbale Kommunikaton wird bei fortgeschrittener Demenz immer bedeutender: Körperliche Nähe durch Berührung, Streicheln entspannt und beruhigt oftmals.
  • Darüber hinaus wurde deutlich, dass in verschiedenen EU-Ländern unter Umständen andere Werte gelten (Sterben zu Hause, Sterben im Krankenhaus oder Pflegeheim, starre Strukturen, gesetzliche Bedingungen, Krankenkassenleistungen) Das Wissen und die Kenntnisse über die Legislative haben bewirkt, dass Vorurteile auf der deutschen Seite abgebaut werden konnten. Darüber hinaus wurde sehr deutlich, welchen wichtigen Teil die Kirche übernimmt, um ein würdevolles Sterben zu ermöglichen.
  • Dieses Projekt macht für alle Teilnehmenden die EU erfahrbar, es war während der gesamten Woche eine spürbare Nähe vorhanden, die durch ähnliche Werte bewirkt wurde. Diese dabei geltende Werteorientierung ist neben der Fachlichkeit ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal, das in allen beteiligten EU-Ländern als solches anerkannt, angefragt und gefordert wird. Gerade diese Werteorientierung und die Diskussion darüber in der Hospizarbeit, regt zur Auseinandersetzung in der eigenen Einrichtung an.
  • Durch die Begegnung hat sich weitere Neugier und Vorfreude auf das Kennen lernen der Hospizarbeit in den Partnerländern gebildet. Vorurteile von Seiten Deutschlands müssen revidiert werden. Sehr deutlich wurde es, dass das Thema Qualität überall einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Sehr überraschend war es für die Deutschen Partner zu erkennen, wie schnell die Entwicklung in den Partnerländern vorangeht. Es entsteht eine beginnende Sensibilisierung dafür, was wir voneinander lernen können.
  • Das Treffen und die Auseinandersetzung mit dem Thema haben für jeden Teilnehmenden eine Weiterentwicklung für das eigene Denken in Bezug auf das Sterben mit sich gebracht, Fragestellungen wie: was bedeutet Sterben für mich beruflich gesehen, was bedeutet es auf der Privaten Ebene für mich, für mein persönliches Sterben wurden von allen Teilnehmenden beantwortet.



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Transparenzbericht 2014